Der Wodka, anfänglich „gorzałka“ (Branntwein) genannt, erschien in Polen etwa im 16. Jahrhundert. Unsere Ahnen haben ihn gern und mit Begeisterung zu sich genommen, unabhängig davon, welchem Stand sie angehörten. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich aber die Form des Gefäßes, aus dem getrunken wurde. Erfahren Sie, wie seine jahrhundertelange Evolution verlief.

Schalen und Becher

Am Anfang des Wodkatrinkens in unserem Lande war nicht von Gläsern – weder aus Kristall, noch aus Glas – die Rede. Das erste dem Wodka gewidmete Gefäß war eine Metallschale, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts verwendet wurde. Zuerst wurde der Wodka lediglich zu Heilzwecken verwendet. Etwas später begann man, den Wodka an den Magnaten- und Adelshöfen zu trinken, wo mit der Zeit eigene Brennereien entstanden. Der übrigen Bevölkerung blieb nichts anderes übrig, als sich mit einem Bierseidel zu Hause oder in einem Wirtshaus zu begnügen. Wenn ein Vertreter eines niederen Standes Wodka hatte, trank er ihn meistens aus einem Holzbecher. Eine dem Anschein nach bescheidene Metallschale war in jenen Zeiten den Reichsten vorbehalten.

Glas kommt auf den… Tisch

Im 18. Jahrhundert kommen Gläser in Gebrauch, welche den heutigen Wodkagläsern ähneln. Ein solches Glas hatte einen Stiel und war ein wahres kleines Kunstwerk des Glashandwerks. Das Glas war nicht nur sehr unterschiedlich geformt, sondern auch mit ausgesuchten Verzierungen, Wappen oder reicher Vergoldung geschmückt. Selbstverständlich trank man daraus, neben Wodka, auch andere starke Alkoholgetränke, wie z.B. süße Liköre.

Als sich die Technologie des Wodkabrennens verbreitete und der Trunk seinen Weg von den Adelshöfen in die Wirtshäuser nahm, kam neben den erwähnten Gefäßen ein Trinkgefäß mit dem Namen „karczmiak“ („Wirtshausbecher“) auf. Es war aus dickem Glas hergestellt, wodurch es weniger zerbrechlich war, was in einem Wirtshausbetrieb große Bedeutung haben konnte. Auch spezielle „karczmiaks“ mit Kantenkelch wurden gegossen, damit das Glas nicht so leicht zu Boden rollte. Man kann sich leicht vorstellen, was für Vorkommnisse es bei den damaligen Geselligkeiten, besonders in Wirtshäusern, geben konnte.

Literatin nicht nur für Literaten

Viele Wodkaliebhaber wissen genau, dass die Bezeichnung „literatka“ („Literatin“) weder mit Literatur noch mit Schriftstellern zu tun hat. Die Herkunft dieser Bezeichnung eines Wodkagefäßes ist viel nüchterner und keinesfalls romantisch. Das Wort „literatka“ stammt nämlich höchstwahrscheinlich aus dem ehemaligen Galizien und ist eine im Polnischen adaptierte Form der deutschen Bezeichnung ein Achtel Liter – volkstümlich Literachtel – die für ein kleines Glas mit dem Volumen von 125 ml gebraucht wurde. Die Polen haben um der bequemen Aussprache willen den deutschen Namen vereinfacht und auf diesem Wege ging die „literatka“ in die polnische Umgangssprache ein. Es sei nebenbei bemerkt, dass „stopka“ („Füßchen“) ein anderer polnischer Name für kleine Gläschen für klaren Wodka mit je 100 ml war und nach wie vor ist.

Das Wodkaglas, wie wir es heute kennen

Ungefähr im 19. Jahrhundert begann man, gleichzeitig mit dem o. g. Literachtel, stiellose Wodkagläser aus dünnem Glas herzustellen. Seit mehr als hundert Jahren ist eben dieses Modell am populärsten in unserem Lande. Der Stiel wurde dabei durch eine dicke Glasschicht am Boden ersetzt, damit der gekühlte Trunk länger seine Temperatur behielt. Trotzdem ist einigen Kennern zufolge zur Vorbeugung der Wodkaerwärmung der Stiel unersetzlich, besonders bei einem längeren Trinkspruch.

Im Zusammenhang mit der Glaskunst sollte auch Zbigniew Horbowy Erwähnung finden. Dieser Gebrauchskünstler aus dem 20. Jahrhundert gilt als der Schöpfer der polnischen Glaskunstschule und er schuf unzählige Entwürfe von Wodkagläsern und vieler anderer Gegenstände. Sein Name wurde zum Synonym und zur Marke des polnischen Glasdesigns der 70er-Jahre. Bis heute ist sein Werk Inspiration für viele Gebrauchskünstler. Es kann also getrost festgestellt werden, dass Polen nicht nur zum Wodkabrennen, sondern auch zur Wodkagläserherstellung wesentlich beigetragen hat.

 

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